Es ist Januar, der kalte Wind hat mein Gesicht schon tiefgekühlt. Ich schaue auf die Schiffe im Hafen, wie sie herausfahren und Fernweh überkommt mich. Der Wind hört auf zu pfeifen und die Sonne kommt hinter den Wolken hervor. Ich schließe die Augen, spüre die Sonnenstrahlen und höre die Wellen, wie sie gegen das Boot platschen:

Pozo ist wie immer gekommen, um mich persönlich in Empfang zu nehmen.

» Bien, bien – Nico? «

begrüßt mich Pozo. Mit diesem Satz beginnt die Zeit, ihre Bedeutung zu verlieren – ich bin in meinem Paradies angekommen: Nuquí – am kolumbianischen Pazifik.

Am Bootsanleger laden wir unser Gepäck ein. Eduardo, Pozos Bruder, ist auch mitgekommen. Er sitzt an der Spitze des Bootes, um die Richtung weisen zu können. Das ist Vorschrift, denn Pozo könnte den Weg sicher mit verbundenen Augen finden. Im Boot sprechen wir nicht viel – wir grinsen uns an – voller Freude, uns wiederzusehen und ich genieße die Ruhe, das Meer, das warme Spritzwasser und die Sonne.

» Das Wasser hat hier sieben Farben, sagt man «

Von smaragdgrün über dunkelgrün bis leuchtend türkis – je nach Gebiet und Sonneneinstrahlung wechseln die Farbtöne. Mein Blick schweift vom Meer an die Küste. Der dichte Regenwald reicht bis an den feinen, grauen Sandstrand. So oft habe ich es schon gesehen, aber sattsehen? Niemals!

Das Wasser sieht so wunderbar klar, warm und einladend aus, dass ich am liebsten schon vom Boot aus hereinspringen würde. Bei dem Gedanken muss ich unweigerlich grinsen und erinnere mich an meine

» Geldwäsche-Aktion «

Ich war als Reiseleiterin mit zwei Familien unterwegs. Zwei Elternpaare mit ihren fünf pubertierenden Jungs, die ich von Beginn unserer dreiwöchigen Tour an versuchte zu beeindrucken – ohne Erfolg. Also überlegte ich mir, dass es doch cool wirken könnte, wenn ich mich während der Bootsfahrt in die Fluten stürze. Vielleicht könnte ich ihnen damit imponieren – schließlich wollte ich nicht den Rest der Reise die langweilige Reiseleiterin sein. Also präparierte ich mich, legte die Kamera zur Seite, nahm meine Brille ab... und sprang samt Kleidung vor den Jungs einfach so aus dem Boot ins Wasser.


Leider hatte ich vergessen, dass ich unter meinem T-Shirt noch den Bauchgurt mit Geld und EC-Karte trug. Als ich glücklich aus dem Wasser auftauchte, schrien alle schon vom Boot aus „Nicooole – das Geld!“ Zum Trocknen haben wir dann die vielen Geldscheine bei unserer Ankunft mit Steinen beschwert und ich musste mir den Rest der Reise anhören, dass ich den Begriff „Geldwäsche“ eindeutig nicht verstanden habe :)

Aber die nachfolgenden Erlebnisse ließen allen Spott schnell vergessen. Nicht nur die Jungs waren happy, sich im Regenwald an den Lianen – wie Tarzan – über den Fluss schwingen zu können, auch ihre Eltern hatten wahre Freude daran, den Regenwald zu erkunden. Bei einer langen Wanderung durch das dichte Grün, vorbei an riesigen Bäumen und Farnen, gelangten wir zum „Carrezalito“, einem Hügel

übersäht mit Epiphyten, in denen die Pfeilgiftfrösche zu Hause sind. Die kleinen, bunten Frösche sondern ein Gift ab, das indigene Völker zur Jagd an ihren Speerspitzen verwandten.

Beim Mittagessen konnten wir uns einmal wieder den Bauch mit frischem Fisch und Kokosreis vollschlagen und waren so konzentriert auf diese wunderbaren, exotischen Geschmäcker, dass wir alle fast vom Stuhl fielen, als Pozo plötzlich rief:

» Balleeeenaaaaas! (Wale). «

Und tatsächlich – vor uns auf dem Meer schraubte sich einer der Riesen aus dem Wasser und ließ sich auf die Wellen platschen. Pozo bereitete so schnell wie möglich das Boot vor und wir fuhren hinaus aufs Meer. Direkt neben uns tauchten die Buckelwale immer wieder auf und stießen Wasser aus ihrem Blasloch. Ein einzigartiges und faszinierendes Spektakel!

Die Sonne scheint auf mein Gesicht. Ich höre die Wellen gegen das Boot platschen…und schaue auf den Hafen, wie die Boote herausfahren.

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